Landau Media Fishbowl: Keine Corporate Influencer – und doch mit großem Einfluss

30. Januar 2020 Paula Slomian

Mehr als 100 PR-Profis wohnten in Berlin der Premiere der „Landau Media Fishbowl“ – dem neuen Event-Format des Branchendienstleisters – bei, um gemeinsam mit Digitalstaatsministerin Dorothee Bär und VW-Plattform-Strategin Anna-Lena Müller zu diskutieren. Obwohl die Kernfrage „Wieviel Personality braucht Digitalisierung in Politik & Wirtschaft?“ keine abschließende Antwort fand, war es ein gelungener Auftakt.

„Ich bin kein Corporate Influencer. Meine Meinung und die meines Arbeitgebers sind längst nicht immer die gleiche“, weist Müller direkt zu Beginn ein gängiges Label zurück. Als zentrale Aufgabe betrachtet sie es, ihre Vorständinnen und Vorstände ins Internet zu führen. Das deckt sich mit dem Anliegen Bärs, die dereinst den Auftrag der Kanzlerin erhielt: „Öffnen Sie dieses Haus“ (Anm. d. Red.: den Bundestag). Beide Frauen eint das persönliche Engagement in und die Begeisterung für die sozialen Medien, wenn auch mit unterschiedlichen Präferenzen für die Kanäle: „Ein Post oder Foto bringt mir auf einer Plattform zehn Heiratsanträge – und auf der anderen zehn Morddrohungen“, begründet die Staatsministerin zugespitzt ihre Vorliebe für Instagram und Abneigung gegen Twitter.

Das Publikum erhält teils tiefe Einblicke in den Arbeitsalltag der beiden Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Brücken zu bauen, um Menschen ins digitale Zeitalter mitzunehmen. Knapp eineinhalb Jahre ist Müller bei VW im Amt – sie gibt zu: „Das Holz, was man bohrt, ist dick.“ Zahlreiche Abstimmungsschleifen kosteten Kraft und auf etlichen Social-Media-Channels sei noch „viel Luft nach oben.“ Und doch: Themen, die ihr am Herzen liegen, werden durch ihr Zutun zu Corporate Content.

Das Fishbowl-Diskussionsformat ist auf Interaktion ausgelegt: Die beiden Referentinnen sowie die Moderatoren Franziska Bluhm und Jens Stoewhase sitzen dafür in der Mitte des Raums, umringt von den Gästen. Ein freier Stuhl lädt die Teilnehmer dazu ein, selbst aktiver Teil der Diskussionsrunde zu werden – und bleibt nicht lange leer. So will beispielsweise Cornelia Kunze, Inhaberin der Agentur Isekai und Vorsitzende des deutschen Chapters von Global Woman in PR (GWPR), wissen, ob die beiden in den patriarchalisch anmutenden Strukturen von Autokonzern und Partei nichts Geringeres als einen Kulturwandel anstoßen wollen. Sowohl Bär als auch Müller streiten zwar eine reine Change-Agenda ab, sind sich aber durchaus darüber im Klaren, dass sie Kollegen und Mitglieder inspirieren und aktivieren können. Von Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft, befragt zum Umgang mit Kritik und Hetze in den Kommentarspalten, geben sich beide Referentinnen sowohl verletzlich als auch zuversichtlich. „Ich versuche eigentlich immer, in den persönlichen Dialog zu kommen. Ignorieren oder am Ende gar Blocken sind die letzten Mittel“, erklärt Bär.

„Wir freuen uns, dass unser neues Format den Nerv der Branche getroffen hat und sind immer noch überwältigt von der Resonanz auf die erste Fishbowl“, resümiert Beate Kiep, Mitglied der Geschäftsleitung bei Landau Media und Event-Organisatorin. Eine Fortsetzung in Form weiterer Fishbowls ist mehr als wahrscheinlich.

PRJournal LM Fishbowl
Freuen sich über eine gelungene Premiere: Jens Stoewhase und Franziska Bluhm (Moderator*innen), Uwe Mommert (Landau Media), Anna-Lena Müller (Plattformstrategin bei Volkswagen), Michael Busch (Landau Media), Beate Kiep (Landau Media), Dorothee Bär (Digitalstaatsministerin) und Axel Take (Landau Media) (v.l.n.r.)

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