Nachgefragt: Lena Sönnichsen, Head of PR & Social Media bei airbnb, über Web 3.0 und die Zukunft der Communities

2. April 2012 Annett Bergk

Social Media boomt. Es gibt kaum eine Firma, die auf die Möglichkeiten durch Web 2.0 verzichten will. Doch wie wird der Trend weitergehen? Werden Communities und soziale Gruppierungen nur noch online auftreten? Ich habe Lena Sönnichsen, Head of PR & Social Media bei airbnb, zu den aktuellen Kommunikationsmöglichkeiten befragt.

Annett Helbig: In Zeiten, in denen man sich privat wie geschäftlich online organisiert, Babyfotos über facebook teilt und einen Job via twitter angeboten bekommt, klingt Web 2.0 fast schon wieder ein bisschen veraltet. Sind die Möglichkeiten dieser umfangreichen Kommunikationsplattform mittlerweile ausgeschöpft?

Lena Sönnichsen: Ich betrachte das Internet tatsächlich nur noch als eine Form der Kommunikation – neben Telefon, Fax und Brief. Natürlich ist es derzeit diejenige Form, die die meisten Möglichkeiten bereithält. Von Ausschöpfung kann dabei jedoch noch keine Rede sein. Was für Unternehmen nach der offensiven Nutzung von Social Media immer wichtiger wird, ist die Anwendung dieses Sprachrohrs, um die Kunden wieder direkt an sich zu binden. Die Bekanntschaft über Freunde von Freunden der Freunde ist aus Unternehmersicht (und vor allem aus Sicht des Vertriebs) letzten Endes nicht ausreichend. Intern bezeichnen wir diesen Prozess gern als Web 3.0 – das Zurückholen der User in die Wirklichkeit.

Annett Helbig: Es hat sich also ein weiterer Wandel im Internet vollzogen?

Lena Sönnichsen: Ja, sozusagen. Mit der ersten Welle von Internet lernten die Nutzer beispielsweise durch Amazon, dass sie online bestellen können und bekamen Vertrauen zum Eingeben von anonymen Daten. In der zweiten Welle wurde die zwischenmenschliche Interaktion, das Soziale also, ins Internet übersetzt. Heute befinden wir uns auf dem Weg, das Internet nicht mehr um des Internets wegen zu nutzen, sondern als Teil der Kommunikation, als Teilschritt beim Einkauf oder auch, wie bei airbnb, als Tool zum interaktiven Buchen der nächsten Reise.

Annett Helbig: Wird demnach auch die Bedeutung der Communities nach dem Social Media Boom stark nachlassen?

Lena Sönnichsen: Im Gegenteil werden Communities weiter an Bedeutung gewinnen. Doch auch hier gilt, dass sich der Aufenthaltsort ändern wird. Während man heute noch online Vorträgen folgt und sich vereinzelt zum Chat verabredet, wird in Zukunft das persönliche Treffen wieder stärker in den Fokus geraten. Via App, twitter, facebook und Co. wird man die einzelnen Daten, wie Termine, Orte und Kontakte, verwalten. Entscheidungen und echtes Gemeinschaftsgefühl, auch im Rahmen der Identifikation mit einer Unternehmens-Philosophie, werden jedoch vor Ort entstehen.

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